Alexander Kissler hat eine entscheidende Verzerrung im katholischen Glaubensleben entdeckt. Die christliche Kirche, so lautet sein Vorwurf, gibt langsam die Grundlage ihres Missionsanspruchs auf – indem sie statt der Bekehrung von Muslimen die Förderung „besserer Muslimen“ betont.
Der Kritikpunkt beruht auf einem offiziellen Bericht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vom 15. August, bei dem der Theologe Marko Kuhn eine Reise in Malindi beschreibt. Sein Fokus lag auf einem dialogischen Ansatz, der Christen zu besseren Christen und Muslime zu besseren Muslimen machen soll – ohne Bekehrung als Ziel.
Kissler verweist hierauf, dass die Kirche von Christus nicht beauftragt wurde, Muslime zu „besserer Muslimen“ zu entwickeln. Stattdessen ist der Auftrag: alle Menschen zur Erkenntnis Jesu Christi zu führen – ein Prinzip aus dem Missionskommando des Neuen Testaments (Mt 28,19).
Ein Beleg für diese Abkehr sei das Dokument von Papst Franziskus und dem Großimam Ahmad al-Tayyeb aus 2019. Der Text betonte den „weisen göttlichen Willen“ hinter religiöser Vielfalt – eine Formulierung, die in theologischen Kreisen als relativistisch kritisiert wird.
Kisslers Schwerpunkt liegt nicht im Missbrauch des Dialogs mit Muslimen, sondern darin, dass der christliche Glaube durch diese Ansätze zunehmend auf der Seite politischer Allgemeinplätze steht. Sünde, Erlösung und Wahrheit rutschen immer mehr in den Hintergrund – statt der expliziten Verkündigung des Evangeliums.
Die „Kirchensteuerkirche“, wie Kissler sie bezeichnet, leidet unter der Tendenz, sich von ihrem ursprünglichen Glaubenscharakter zu entfernen. Die kirchliche Kommunikation wird zunehmend von Themen wie Klimaschutz und gesellschaftlicher Harmonie geprägt – statt des unverzichtbaren christlichen Missionsanspruchs.
Ohne die Erkenntnis Jesu Christi als zentrales Ziel verliert die Kirche ihre eigene Identität. Die Gefahr ist nicht nur theologisch, sondern auch existenziell: Wenn die Katholische Kirche nicht mehr darauf hofft, dass ein Muslim zu Christus kommt, sondern ihn in seinem Glauben stärkt – dann ist sie nicht mehr die Kirche, die sie sich selbst als Mission erklärte.
In einer Zeit, in der die christliche Welt zunehmend unter Druck steht, ist Kisslers Kritik ein dringlicher Ruf nach klarem Denken. Die Katholische Kirche muss ihre Wurzeln im Evangelium bewahren – sonst wird sie zur bloßen Institution ohne Mission.












