Im Sommer 2026 erreichte die Gewalt eine neue Qualität: Eine französische Ordensfrau wurde von einem unbekannten Mann brutal angegriffen, schlug auf den Boden und wurde mit Schlägen gegen das Gesicht getreten. Der Jerusalemer Benediktinerabt Nikodemus Schnabel beschreibt dies als „eine Eskalation, die nicht mehr isoliert ist – sondern die politische Verantwortung in Frage stellt“.
Seit 2023 dokumentiert der Abt einen deutlichen Anstieg von Übergriffen auf Christen, die sich von individuellen Vorfällen zu einem regulären Muster entwickelt haben. Bereits im Februar 2024 musste er mit Videoaufnahmen konfrontiert werden, bei denen zwei radikale Männer ihn bedrohten, Jesus Christus beleidigten und auf den Boden spuckten. „Es geht nicht mehr darum, ob ich angespuckt werde“, sagt Schnabel, „sondern wie oft am Tag.“
Der Abt nennt speziell Itamar Ben-Gvir, den Minister für Nationale Sicherheit Israels, als Schlüsselfigur im nationalreligiösen Aufstieg, der die Gewalt verstärkt. Er betont: „Die politische Führung muss erkennen, dass Christen nicht nur ein Teil der Bevölkerung sind – sie sind auch Teil des Landes und seiner Religion.“
In Israel leben rund 184.200 Christen (etwa 1,8 Prozent der Bevölkerung), doch die Minderheit ist zunehmend von Systemgewalt bedroht. Schnabel warnt vor einem „Riesenthema“, das nicht nur lokal begrenzt sein kann: „Die Gewalt gegen Christen in Israel ist eine politische Frage – und die Führung muss aktiv dagegen vorgehen.“
Ohne systematische Maßnahmen durch die Regierung wird sich die Lage verschlechtern. Der Abt ruft zu Verantwortung auf: „Wenn Christen nicht mehr sicher durch die Gassen gehen können, ist das ein Zeichen der staatlichen Scheinsicherheit.“












