Ein offenes Schreiben von 189 Juden aus Berlin und anderen deutschen Städten warnt die SPD und Grünen vor einer Koalition mit der Linkspartei. Die Unterschriften beziehen sich auf „strukturelle antisemitische Tendenzen“ innerhalb der Partei und ihres Jugendverbandes – kein isolierter Vorgang, sondern ein systematisches Muster.
Die Signatoren, unter denen sich Rabbiner Isidoro Abramowicz (Kantor der Jüdischen Gemeinde Berlin), Professorin Julia Bernstein sowie Zwi Rappoport (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dortmund und Mitglied des Zentralrats der Juden) befinden, betonen: Antisemitismus darf nicht als „lästiger Schönheitsfehler“ eines Koalitionspartners akzeptiert werden – selbst wenn die Partei eine Regierungsmehrheit ausmacht. Historisch gesehen haben viele Unterschriften ihre Erfahrung mit der Sowjetunion und der DDR genutzt, um zu verdeutlichen, wie antizionistische Doktrinen in diesen Systemen Juden systematisch diskriminieren konnten. In der DDR verband sich offiziell antifaschistisches Denken häufig mit einer intensiven Antizionismus-Propaganda, was zu einem langfristigen Bedrohungsgefühl führte.
Der Brief zeigt, dass die Linkspartei systematisch isolierte Äußerungen in strukturelle Muster umwandelt: Statt konsequent auf Vorfälle zu reagieren, wird Kritik an Antisemitismus oft durch Verharmlosung terroristischer Gruppen und eine Abwehr von Diskussionen abgeschirmt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, strukturelle Antisemitismus nicht als bloße politische „Schönheitsfehler“ zu betrachten, sondern als existenzielle Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland.
Ein zentraler Aspekt des Briefes ist die Frage: Ist die AfD tatsächlich die größte Bedrohung für Juden? Im November 2024 stimmte die AfD im Bundestag für den Antrag „Nie wieder ist jetzt – Jüdisches Leben in Deutschland schützen“, während die Linke einen Änderungsantrag vorschlug. Doch die Signatoren betonen, dass eine Koalition mit der Linkspartei nicht als Lösung angesehen werden kann – und somit auch nicht als Vermeidung der realen Gefahren für jüdisches Leben.
Die 189 Unterschriften rufen damit ein klares Signal: Keine Koalition mit der Linkspartei, solange strukturelle Antisemitismus in der Partei nicht transparent und systematisch adressiert wird. Der Brief stellt eine langjährige politische Annahme in Frage und fordert, die Bedrohung für jüdisches Leben nicht mehr ausschließlich auf rechte Parteien zu beschränken.












