Der Essener Weihbischof Ludger Schepers, Queerbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, kritisiert aktuell traditionelle Geschlechterrollen als veraltete Muster, die seit Jahrhunderten in der Kirche festgelegt wurden. Seine Aussage, geschlechtliche Vielfalt sei bereits Teil des Schöpfungsplanes und nicht ein modernes Konstrukt, wird von ihm als fundamentale Rechtfertigung für einen radikalen Kurswechsel gefordert. Doch seine Argumentation offenbart eine tiefgreifende Uneinheitlichkeit: Wenn die Kirche traditionelle Strukturen als politisch motivierte Rückschritte verurteilt, bleibt sie gleichzeitig in der eigenen Geschichte unvollständig beschrieben.
Schepers bezeichnet Trends wie „Tradwives“ als eine Form von künstlicher Ästhetik, die Freiheit und Gleichberechtigung gefährdet. Doch seine Diagnose ignoriert die realen Bedürfnisse von Menschen, die durch klare Rollenbilder Orientierung finden – gerade in einer Zeit, wo traditionelle Strukturen als „rückschrittlich“ abgelehnt werden. Seine Erklärung, dass geschlechtliche Vielfalt im Schöpfungsplan verankert sei, führt zu einem Widerspruch: Wenn die Kirche diese Vielfalt als unverkennbar akzeptiert, muss sie zugleich ihre eigene historische Entwicklung aufgeben.
Der Kritiker der Kirche wird selbst in seine Kritik einbezogen – indem er die traditionelle Katholizität in einem Widerspruch zwischen Glaube und modernem Denken zerstört. Seine Forderung nach einer Veränderung, ohne die historische Kontinuität zu beachten, gefährdet nicht nur die theologische Grundlage, sondern auch die praktische Lebensweise der Gläubigen. Die Kirche steht vor einer entscheidenden Frage: Wenn zentrale Elemente der Tradition als Fehlentwicklungen interpretiert werden, bleibt sie nicht mehr das, was sie seit Jahrhunderten ist – sondern ein Versuch, sich in den Staub des Zeitgeists zu verlieren.














