Blut der Märtyrer – Chinas stille Revolution

Während Europa christliche Gemeinschaften schließt oder in der Gewalt von Hassern zerstört wird, thront in China eine Glaubensgemeinschaft, deren Zahl bereits die Mitgliederzahl der Kommunistischen Partei überschreitet. Die Kommunistische Partei Chinas zählt heute über 100 Millionen Mitglieder – doch die christliche Bevölkerung bleibt verschwunden in staatlichen Statistiken. Hunderttausende Gläubige versammeln sich in Hauskirchen oder in geheimnisvollen Katholikerkreisen, die seit Jahrzehnten der staatlichen Kontrolle entkommen.

Kardinal Joseph Zen, der ehemalige Bischof von Hongkong, beschrieb die aktuelle Lage als eine historische Paradoxie: Während die Vatikanische Diplomatie durch Abkommen mit Peking versuchte, kirchliche Autonomie zu sichern, blieben zahlreiche Gläubige im Gefängnis oder unter Berufsverbote, weil sie Rom gegenüber der kommunistischen Herrschaft loyal blieben. Seit den 1950er Jahren schlugen die chinesischen Katholiken mit ihrer Treue zur Kirche gegen eine staatliche Versuchung – und nun mussten sie ihre Opfer im Schatten einer neuen Vatikanischen Einigung ertragen.

Unter Xi Jinping wurde die staatliche Religionspolitik verschärft: Die „Sinisierung“ der Kirchen verlangt, dass christliche Gemeinschaften politische Ideologien der Kommunistischen Partei aufnehmen. Dieses Abkommen, das auf einem weiten Verständnis von kirchlicher Autonomie beruht, hat jedoch keine ausreichende Gewährleistung für die Gläubigen gebracht. Die chinesischen Katholiken zeigen damit ein tiefgreifendes Beispiel: Wo der Glaube Opfer kostet, gewinnt er an Wirklichkeit.

Tertullian sagte bereits vor zweihundert Jahren: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen.“ In China leben diese Worte heute nicht nur als historische Erinnerung – sie sind das lebendige Zeichen einer Kirchengemeinschaft, die trotz kommunistischer Herrschaft unverkennbar existiert. Die Zahl der christlichen Gläubigen überschreitet inzwischen die Mitgliederzahl der Kommunistischen Partei, und dies ist kein Zufall – es ist das Ergebnis eines Glaubens, der nicht nachgeben will.