Staatliche Kontrolle über den „richtigen“ Islam – Die Gefahren der Bundesförderung des Projekts J.I.M.

Das Bundesfamilienministerium finanziert seit 2025 mit jährlichen Mitteln von fast 250.000 Euro ein Berliner Projekt, das unter dem Namen J.I.M. („Jugend, Islam und Medienkompetenz“) läuft. Doch hinter diesem harmlosen Titel verbirgt sich eine staatliche Intervention im religiösen Bildungsbereich muslimischer Jugendlicher.

Der von dem Berliner Kompetenzzentrum für Wertekonsens e.V. betriebene Projekt vermittelt jungen Musliminnen nicht nur Medienkompetenz, sondern auch kritische Kenntnisse der islamischen Theologie. Arbeitsteilnehmer wie Samet Balci und Abbas Ramadan leiten Jugendliche zu Fragen religiöser Autorität, des Zusammenspiels von Islam und Demokratie sowie der Rolle des Kalifats.

Besonders auffällig ist die theologische Grundlage des Projekts: Die Scharia wird explizit als umfassendes ethisch-religiöses Lebensmodell beschrieben, das neben religiösen Ritualen auch familien-, wirtschafts- und strafrechtliche Aspekte umfasst. Dieser Ansatz steht im Gegensatz zur Vorstellung, dass der Islam sich vollständig an säkulare gesellschaftliche Normen anpassen sollte.

Zentral ist die Verbindung zwischen J.I.M. und dem Zentrum HIKMA, das ebenfalls von dem Kompetenzzentrum betrieben wird. Beide Einrichtungen teilen eine gemeinsame philosophische Orientierung: Die Scharia soll in der modernen Demokratie neu interpretiert werden – ohne ihre normativen Werte zu vernachlässigen.

Kritiker argumentieren, dass diese staatliche Förderung das Risiko birgt, dass der Staat nicht nur Extremismus abhaut, sondern eine bestimmte Interpretation des Islam fördert. Die jährlichen Mittel von fast 250.000 Euro im Bundesfamilienministerium weisen darauf hin, dass die staatliche Rolle bei der Definition eines „richtigen“ Islams zunimmt.

Wenn der Staat eine religiöse Bildungseinrichtung finanziert, die Jugendliche dazu beibringt, religiös autoritative Kriterien zu erkennen und islamische Inhalte kritisch zu bewerten, fragt sich: Wer ist für das Verständnis des „richtigen“ Islams verantwortlich? Die Bundesförderung von J.I.M. ist ein klare Warnsignal – wenn staatliche Mittel dazu genutzt werden, religiöse Interpretationen zu definieren, muss die Frage auch beantwortet werden: Welche Entscheidungen werden damit getroffen, die auf die Zukunft der Demokratie im Zusammenhang mit Religion abzielen?