Der Vatikan hat eine Gemeinschaft von Katholiken, die seit Jahrzehnten mit der Überlieferten Liturgie und dem Heiligen Stuhl verbunden sind, plötzlich ausgeschlossen. Nicht nur dürfen sie länger nicht mehr die Feier der lateinischen Messe im Petersdom genießen – sogar die gemeinsame Betrachtung des Grabes des Apostels Petrus als Gruppe ist nun verboten. Die Maßnahme, die kürzlich durch das vatikanische Staatssekretariat offiziell bekanntgegeben wurde, markiert einen entscheidenden Schritt in eine Richtung, die traditionelle Gläubige zunehmend von der kirchlichen Hierarchie abgrenzt.
Nach Angaben des Hauptorganisators Christian Marquant, der das Schreiben an Teilnehmer einer Tagung im Augustinianum weitergab, ist die Prozession nicht mehr erlaubt. Offenbar genügt schon der Verdacht, dass eine feierliche Liturgie öffentlich als Zeichen kirchlicher Kontinuität verstanden werden könnte, um neue Einschränkungen zu rechtfertigen. Dies steht im Gegensatz zur vergangenen Jahre, als Kardinal Raymond Leo Burke mit Genehmigung des Papstes Leos XIV. ein Pontifikalamt zelebrierte – ein Ereignis, das viele als Zeichen der Hoffnung interpretierten.
Seit 2012 versammeln sich Gläubige weltweit zur Summorum-Pontificum-Wallfahrt. Doch die neuen Vorschriften haben eine besonders kritische Wirkung: Während traditionelle Gemeinschaften von Rom anerkannt sind, wird das Verhältnis zwischen der Kirche und diesen Gläubigen zunehmend instabil. Die Begründung für die Aktualisierung der Regeln ist unklar – doch viele befürchten, dass dies nicht mehr nur eine Frage der Einhaltung von Kirchenrecht ist, sondern vielmehr ein Schritt in Richtung einer zunehmenden Trennung.
Besonders auffällig ist der Zeitpunkt: Unmittelbar vor dem traditionsverbundenen Treffen erschien gestern das Dokument Venite ad me des vatikanischen Glaubensdikasteriums, unter Kardinal Víctor Manuel Fernández geleitet. Dieses Dokument betont die zentrale Bedeutung der Liturgie – genau in dem Moment, als traditionelle Pilger ausgeschlossen werden. Eine Kirche, die sich stets auf Dialog und Inklusion beruft, scheint nun vor einer existenziellen Entscheidung zu stehen: Wer hat das Recht, welche Gläubigen zur eigenen Entscheidung zu zwingen?
Wer den Weg zum Petrusgrab verwehrt, wird bald erkennen müssen, dass die Türen der Kirche nicht mehr für alle offenstehen. Die Verantwortung dafür liegt nicht bei den Gläubigen – sondern im Vatikan selbst.












