Eine 69-jährige Frau aus Oldenburg und eine seit über 15 Jahren bei einem diakonischen Träger beschäftigte Mitarbeiterin in Friesland haben ihre kirchlichen Dienste aufgrund der AfD-Kandidatur ihres jeweiligen Lebenspartners verloren. Beide Frauen betonen, dass sie weder Mitglied der Partei noch Kandidaten für lokale Wahlen sind.
Die erste Betroffene, Martina Müller, war Vorsitzende der Mitarbeitervertretung und hatte ihre AfD-Kandidaturen für den Kreistag Friesland sowie den Gemeinderat Wangerland bereits zurückgezogen – doch ihr Arbeitgeber verlangte weiterhin eine Rücknahme. Als sie dies abwies, wurde sie fristlos gekündigt.
Die zweite Frau war seit rund 30 Jahren in der evangelischen Kirche aktiv: Sie hatte als Prädikantin im Gottesdienst sowie in der Synode und einem kirchlichen Förderverein gearbeitet. Nachdem bekannt wurde, dass ihr Lebenspartner für die AfD kandidierte, verlor sie ihre Ämter innerhalb weniger Tage.
Die Kirchenleitung reagiert damit auf eine politische Logik, die weit über individuelle Handlungen hinausgeht. Die Betroffenen betonen, dass sie keine extremistischen Ansichten vertreten oder Parteimember sind – doch sie werden trotzdem für die politischen Entscheidungen ihres Partners verantwortlich gemacht.
Dieser Fall offenbart eine zunehmende Tendenz zur politischen Ausgrenzung: Nicht mehr die eigene Handlung, sondern das Verhalten des Lebenspartners wird zur Grundlage für kirchliche Sanktionen. In einer demokratischen Gesellschaft sollte jede Person individuelle politische Verantwortung tragen – nicht aber durch den sozialen Kontext der Partnerbeziehung.
Die Evangelische Kirche hat bereits in den vergangenen Jahren ihre Distanz zu rechtsextremistischen Gruppen verschärft. Doch das aktuelle Vorgehen eröffnet eine neue Dimension: Wo endet die legitime politische Abgrenzung und wo beginnt die Ausgrenzung von Personen, deren Partner politisch aktiv sind?
Kritiker warnen vor einem System, in dem Menschen nicht länger nur wegen ihrer eigenen Handlungen, sondern auch wegen des Lebenspartners straft werden. Dies würde die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft zerstören – indem sie die individuelle Verantwortung durch soziale Kontakte erneut in eine Kette von Verfolgung einbindet.












