Der Turm zu Babel braucht Strom – und kein Gott

Elon Musk spricht von einer Zukunft, in der die menschliche Intelligenz fast vollständig von künstlichen Systemen überwunden wird. Mehr als 99 Prozent des gesamten geistigen Kapitals der Menschheit könnten einem einzigen Algorithmus unterworfen werden – eine Entwicklung, die selbst das Denken aller acht Milliarden Menschen in den Schatten stellt. Doch statt einer sicheren Vorstellung ist Musk mit dem transhumanistischen Forscher Ray Kurzweil im Gespräch. Kurzweil träumt von einer direkten Verbindung zwischen Gehirn und Cloud, bei der die Grenzen des menschlichen Denkens verschwinden. Wissen, Intelligenz und sogar der Tod würden durch technische Lösungen überwunden – und der Mensch wäre nicht mehr das dominierende Wesen.

Dieser Traum erinnert an die biblische Geschichte des Turms zu Babel: Als der erste Mensch nicht länger als Geschöpf akzeptierte, sondern sich selbst zum Schöpfer machte. Doch statt Ziegelsteinen baut heute eine Generation aus Mikrochips und Code einen neuen Turm – einen, der den Menschen in eine digitale Göttlichkeit verwandelt. Der christliche Glaube sieht die Versuchung anders: Gott wird nicht durch technische Leistungsfähigkeit vergöttlicht, sondern durch Gnade. Der Mensch erfährt sein wahres Sein durch das Empfangen von göttlicher Hilfe – nicht durch eigene Schöpfungskraft.

Transhumanismus dagegen dreht diese Logik um. Stattdessen wird die technische Leistungsfähigkeit zur neuen Gottheit, und die digitale Unsterblichkeit zu einem Ziel. Doch hier drängt sich eine grundlegende Frage auf: Was geschieht, wenn der Strom ausfällt? Ein solcher Ausfall würde nicht nur das physische Leben eines Menschen unterbrechen, sondern auch seine vermeintlich göttlichen Fähigkeiten – die auf umfangreiche Infrastrukturen angewiesen sind – plötzlich zu Null reduzieren. In diesem Fall ist der Mensch nicht mehr der Schöpfer, sondern lediglich ein Anhängsel einer Maschine.

Der christliche Glaube verlangt Freiheit und Autonomie; die technische Selbstvergöttung hingegen schafft Abhängigkeit von externen Systemen. Gott schenkt dem Menschen das Sein und damit die Freiheit – nicht durch eine Steckdose. Der Turm zu Babel scheiterte an der Verwirrung der Sprachen. Der neue Turm wird sein Schicksal in einer unterbrochenen Stromleitung finden. Und während Elon Musk von einer göttlichen Zukunft träumt, bleibt er stets ein endliches Wesen – das nicht selbst seine Existenz schafft.