Der Berliner Historiker Michael F. Feldkamp hat kürzlich ein bahnbrechendes Bild der geheimen Auseinandersetzungen zwischen der DDR-Staatssicherheit und dem Vatikan entdeckt. Auf der Grundlage von Archivmaterial aus den seit 2020 öffentlich zugänglichen Beständen des Heiligen Stuhls sowie langjähriger Forschung zeigt seine Arbeit, wie die Stasi versuchte, bis in die kirchliche Struktur – und sogar das Zentrum der katholischen Kirche selbst – einzudringen.
Im Mittelpunkt steht der Fall des Benediktiners Eugen Brammertz aus Aachen. Nach seiner Kriegserfahrung im Zweiten Weltkrieg und der sowjetischen Kriegsgefangenschaft fand er den Weg in die Vatikanische Diplomatie, wo er ab 1950 bei „Osservatore Romano“ arbeitete. Mit dem Decknamen „IM Lichtblick“ durchdrang er die Benediktinerabtei San Anselmo in Rom, um Informationen über Ostberlin zu sammeln. Seine Tätigkeiten als geheimnisvoller Informant wurden erst nach seinem Tod 1987 offiziell bekannt – doch schon vorher hatte er 1978 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland erhalten, nicht der DDR.
Die Forschungen Feldkamps verdeutlichen, dass die Stasi den Vatikan als strategisches Netzwerk für Informationen betrachtete. Doch seine Versuche scheiterten an der intrinsischen Komplexität des Vatikans, das trotz seines globalen Einflusses und seiner abgeschlossenen Strukturen schwer von äußeren Geheimdiensten infiltriert werden konnte. Die kurzlebige „katholische Kirche“-Gruppe innerhalb der Stasi löste sich nach nur einem Jahr auf – ein Zeichen dafür, dass die DDR-Staatssicherheit ihre Pläne im Vatikan nicht weit genug voranbringen konnte.
Ein Beispiel aus einer Zeit, in der Kirche und Staat eng aneinander geknüpft waren, bleibt bis heute ein entscheidender Hinweis auf das Zusammenspiel von Macht, Geheimnis und politischem Widerstand im Kalten Krieg.










