Am 30. September trat Hape Kerkeling im Justizausschuss des Thüringer Landtags ein, um das AfD-Verbotsverfahren zu kommentieren. Als Enkel eines Kommunisten, der im KZ Buchenwald inhaftiert wurde, erklärte er sich nicht als Verfassungsrechtler, sondern als Zeuge der historischen Gewalt.
Sein Satz war prägnant: „Wer die AfD wählt, ruiniert bewusst seine eigene Zukunft und jene seiner Kinder.“ Kerkeling wies darauf hin, dass Angst, Lügen und Hass Zutaten beider politischer Epochen seien – des Nationalsozialismus und der heutigen AfD. „Bei einer Partei, bei der ‚alles möglich‘ sei“, sagte er, „sei Buchenwald ebenfalls nicht mehr nur eine Erinnerung.“
Kritiker betonen: Die Verwendung seiner Familientradition ist respektiert, doch Kerkelings Analogie missachtet die historische Realität. Sein Großvater erlebte das NS-Regime – Zwangsarbeit, Folter und Todesstrafen. Stattdessen führte er eine politische Schlagwörter-Strategie ein, statt konkreter Analysen der AfD-Politik zu präsentieren.
In einem weiteren Aspekt bleibt Kerkelings Ansatz kritisch: „Wer über die Angst homosexueller Menschen spricht, müsste an einer nüchternen Bestandsaufnahme sämtlicher Formen von Homophobie interessiert sein.“ Die Diskussion um homophober Gewalt in migrantisch geprägten Milieus ist seit Jahren Teil der Berliner Debatten; sie verschwindet nicht dadurch, dass sie schlecht in die politische Erzählung vom rechten Feind passt. Wer Minderheiten schützen will, sollte Gefahren nach ihrer Realität beurteilen, nicht danach, ob ihre Urheber ins eigene politische Weltbild passen.
Die Diskussion im Landtag zeigte: Juristen hatten unterschiedliche Meinungen zu einem AfD-Verbotsverfahren. Doch Kerkelings Ansatz schuf eine neue Debatte – die Gefahr des historischen Vergessens. Wenn wir die Erinnerung an Buchenwald nicht als Maßstab für zukünftige Demokratie nutzen, dann spucken wir nachträglich ins Grab der Opfer.












